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  • Isabel Voigt

Wieviel Arbeit und Risiko in einem Wurf stecken

Aktualisiert: 10. Apr. 2021

Unsere Welpen sind nun etwas mehr wie 24 Stunden alt und mir schießt der liebe „meine Hündin soll einfach einmal Welpen haben“-Gedanke durch den Kopf.

Ich möchte euch Einblick haben lassen, in dieses „einfach“. Zudem spreche ich an dieser Stelle eine Warnung aus - es wird eklig am besten einen Eimer parat stellen oder bei ganz schwachem Magen weiter scrollen.

Nachdem wir 60 Tage immer wieder Phasen hatten wo Madame nichts fressen wollte und auch diverse, frisch gekochte Varianten einem achtlos vor die Füße gespuckt hat und nur noch Handfütterung mit Leberwurst Stullen Häppchen oder Käse, auf einem Silbertablett präsentiert, gerade so akzeptiert hat, haben wir es doch bis hierher geschafft.

Sonntag morgen kündigte sich bei Jiff an, dass es bald mit der Eröffnungsphase losgehen würde. Jiff wurde unruhig, tropfte vor sich hin und wusste als Erstlingshündin nicht so recht, was mit ihr passiert. Erklärungsversuche aufgrund Sprachbarriere zwecklos. Wir kannten die Abläufe von Vorträgen, Erzählungen und Fachbüchern, aber die Praxis, so wissen wir alle, ist nochmal was anderes und nach Plan läuft eh nie was.

Wurfkiste, antrainiert, war ihr erstmal doch nicht gut genug. Okay also zogen wir den Tag über auf die Terrasse aus. Wetter war super und erst als die Sonne verschwand wurde es unangenehm und wir zogen wieder ins Innere.

Jiff ihre Unruhe nahm zu und sie wanderte durch den Flur. Man erwischt sich selbst kurz die Toilette aufzusuchen und tritt auf dem Weg zurück in eine Pfütze - Fruchtwasser. Ohje es geht los. Man folgt der Spur aus Tropfen um festzustellen, dass Madame doch die Kiste, jetzt wo es ernst wird, als geeignet akzeptiert und dort sich ihr Nest errichtet. Liegen? Fehlanzeige. Aus Handtüchern baute Madame sich einen Berg auf dem sie sich abstütze um den Bauch aushängen lassen zu können. Immerhin hatte sie binnen 5 Wochen 3,5 kg zugelegt und aus dem sportlichen aktiven Hund wurde immer mehr ein schwankender Bowlingpin.

Aber alles zog sich. Die Aufregung, ohne das was passierte, sorgte rasant für Ermüdung. Läuft noch alles wie es soll? Hätte nicht schon was passieren müssen? Haben wir an alles gedacht? Man vergisst doch immer irgendwas. Mittlerweile war es Montag geworden. Züchterkollegen halten trotzdem mit einem die Stellung und versichern, dass alles gut ist auf verunsicherte Fragen meinerseits. Jiff wechselte ab und an die Position und hechelte immer mehr. Als man kurz davor war, den Kampf gegen die schweren Augenlider zu verlieren, wurde man von einer neuen Unruhe in der Kiste aus dem Dämmerzustand gerissen und war schlagartig hellwach. Die Hündin, der eigene Seelenhund beginnt im Kreis zu laufen und krümmt sich sichtlich. Man leidet mit ihr und fragt sich wofür man das ihr eigentlich alles zumutet? Nur weil sie einfach mal Welpen haben sollte? Sie hat es sich nicht ausgesucht - das haben wir für sie getan. Man kann ihr nicht helfen. Man kann sie durch Zuspruch und streicheln unterstützen sowie stellenweise beruhigen und im Notfall für ärztliche Hilfe sorgen. Aber auf die Welt kommen die kleinen ohne dass wir ihr schmerzen oder körperliche Anstrengung abnehmen könnten. Man kennt Hündinnen die in der Kiste liegen und ihre Welpen bekommen. Für Jiff war jeder dieser Welpe eine Schwergeburt. In der Hocke, als würde sie draußen ein Geschäft erledigen kam jeder einzelner dieser Brocken mit dem Kopf zuerst. Los ging es mit Chef, der mit 367g uns dazu bewegte dreimal sein Gewicht zu kontrollieren und auch mit zwei weiteren Waagen das Ergebnis zu prüfen, weil er einfach so ein Kampfgewicht hatte.

Da konnte man auch verstehen, dass der erste Welpe so lange brauchte. Aber sobald die Wehen einsetzten kam jedes dieser kleinen Wunder dann aber binnen Sekunden.

Chef kam gefolgt von einer Plazenta die Jiff gierig verschlang. Finger zwischen sie und Chef damit Jiff die Nabelschnur nicht in ihrer Gier zu kurz kappt. Das ganze nochmal hervor gewürgt und erneut gefressen - na lecker. Die Fruchthülle haben wir bei ihm geöffnet da Jiff mit lecken nicht ganz zum Erfolg kam. Einmal die besonders appetitliche Unterlage gewechselt.

Das hatten wir auch eine Stunde später bei Happy, die stolze 353g Geburtsgewicht mitbrachte. Hier hatte Jiff dann schon den Dreh raus.

Rekordhalter Pimpel seine Fruchthülle war schon offen wie er mit 397g zur Welt kam. Allerdings ohne Plazenta und schon war neue Unsicherheit da, welche die Züchterkollegen allerdings direkt wieder entkräfteten. Man hat die Infos vorher aber man kann sein theoretisches Wissen nicht mehr voll abrufen. Eine Nabelschnur wurde dann doch arg kurz von Jiff gekappt, weil ich so schnell nicht an den Welpen kam und Sie sich von mir weg gedreht hatte. Der kleine Bauch war voller Blut. Den kurzen Stummel der Nabelschnur beherzt zugedrückt und bei der Züchterkollegin rückversichert was man machen sollte, um das kleine zu retten. Blutung stoppte und auch die Panikattacke um das kleine Leben verflog. Es folgten Hatschi, Seppel, Brummbär und Schlafmütz im 10 min bis stündlichen Takt. Unser Leichtgewicht hatte 284g wie es zur Welt kam. Als Messwert hatte ich Corny der damals mit 310g schon ein Brocken zu sein schien.

Alle haben erstmal geringfügig im Gewicht verloren was man natürlich durch regelmäßiges wiegen kontrolliert, aber doch verunsicherte. Die anstrengende Geburt sorgte dafür dass Jiff sofort aufstand, wenn man einen Welpen anlegen wollte. Sobald alle auf der Welt waren, war sie wie ausgewechselt - alle Anspannung verflogen. Wir haben ihr einmal gezeigt, dass man sich hinlegen muss und die kleinen angelegt, dann lief das auch. Derweil nehmen alle zu.

Für uns stand mit Jiff ihrem heranwachsen fest, dass wir dieser wundervollen Rasse etwas zurückgeben wollen und mit einer gezielten Verpaarung zu ihrem gesunden Fortbestand beitragen wollen. Aber selbst das stellt man kurz infrage, wenn man sieht was die Hündin in diesem Moment leisten muss.

Wir schlafen neben der Wurfkiste, sind bei jedem fiepen wach und springen auf, um nichts zu verpassen. Nein, wir sprechen immer noch nicht von Kindern sondern Hundewelpen. Aber sie sind unsere Kinder. Wir tun schon vor dem decken alles für den bestmöglichen Start in ein gesundes, langes Leben und haben sie in dieser Welt begrüßt. Wir sind für sie da, auch wenn sie später längst nicht mehr in unserem Garten tollen. Der Moment wenn alle gesund und zufrieden in der Kiste an der Hündin liegen lässt einen alles vorangegangene, okay den Schlafentzug merkt man noch ne Weile, verdrängen.

Wir sind froh, dass wir so tolle Unterstützer an unserer Seite haben, die uns durch die Achterbahn der Gefühle und die Geburt begleitet haben. DANKE Sabine Thomas und Nancy Leetz-Rosenbohm

Es ist also nicht einfach mal nur Welpen bekommen - es ist viel mehr und man vergisst leicht, wie hoch der Preis sein kann, den nicht man selbst, sondern die Hündin oder Welpe für einfach mal so zahlen kann.


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